Die häufig gestellten Fragen

1. Wer haftet, wenn der Handwerker nicht kommt?
2. Was passiert, wenn die Leistung nicht rechtzeitig fertig ist?
3. Was tun, wenn der Kostenvoranschlag überschritten wird?
4. Muss der Kunde unerwünschte Reparaturen bezahlen?
5. Muss die Anfahrt zum Kunden bezahlt werden?
6. Was tun, wenn Mängel auftreten?
7. Kann der Rechnungsbetrag gekürzt werden?
8. Wie lang sind die Gewährleistungsfristen?
9. Wer haftet bei Schwarzarbeit?
10. Wo kann sich der Kunde beschweren?
11. Was muss ich zum Thema Zahlung wissen?
12. Kann ein Sachverständiger helfen?
13. Verdient ein Handwerker wirklich zuviel?
14. Wer soll den Auftrag erhalten?
15. Wie verbindlich sind Kostenvoranschläge?
16. Darf der Kostenvoranschlag etwas kosten?
17. Was bedeutet die Abkürzung VOB?
18. Was muss ich sonst noch beachten?

 

Die Antworten auf die häufig gestellte Fragen


1. Wer haftet, wenn der Handwerker nicht kommt?

Wenn der Handwerker nicht pünktlich kommt, müssen Sie ihm eine angemessene Frist setzen und die Ablehnung der Leistung in Aussicht stellen. Versäumt der Handwerker auch die neue Frist, dürfen Sie als Auftraggeber vom Vertrag zurücktreten. In diesem Fall hat der Handwerker keinen Anspruch auf Erstattung irgendwelcher Kosten. Sofern durch einen vereinbarten, aber nicht eingehaltenen Termin Schaden entstanden ist, könnten im Einzelfall sogar Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden.

2. Was passiert, wenn die Leistung nicht rechtzeitig fertig ist?

Bei Reparaturaufträgen ist es oft üblich, einen Fertigungstermin zu vereinbaren. Versäumt der Handwerker diese Frist, gerät er nach dem Gesetz in Verzug und muss für eventuelle Schäden aufkommen, die dem Kunden wegen des Versäumnisses entstehen. Beispiel: Die Kfz-Werkstatt verspricht, das Auto bis zu einem bestimmten Tag zu reparieren, hält sich aber nicht daran.

3. Was tun, wenn der Kostenvoranschlag überschritten wird?

Bei einem unverbindlichen Kostenvoranschlag kann die Auftragssumme um 10–20 % im Einzelfall auch bis 30 % überschritten werden, was der Verbraucher bezahlen muss. Bei einem höheren Prozentsatz setzt dann allerdings die "wesentliche Überschreitung" ein, die der Handwerker, sobald sie zu erwarten ist, dem Kunden mitteilen muss. Der Kunde hat dann die Möglichkeit, zu entscheiden, ob der den Vertrag kündigen will. In diesem Fall muss er nur das bezahlen, was der bis dahin erbrachten Leistungen entspricht. Versäumt der Handwerker diesen Hinweis, so kann der Kunde später gegebenenfalls einen Schadenersatzanspruch ableiten. Man spart sich auch viel Ärger, wenn die Frage der Fahrkosten schon im Kostenvoranschlag geklärt worden ist.

4. Muss der Kunde unerwünschte Reparaturen bezahlen?

Grundsätzlich darf der Handwerker nur diejenige Reparaturen ausführen und berechnen, mit denen er beauftragt worden ist, selbst wenn er feststellen sollte, dass weitere Arbeiten notwendig sind. Um Streitfälle zu vermeiden, sollte deshalb bei der Auftragsvergabe möglichst genau angegeben werden, was nachgeprüft und repariert werden soll, z. B. bei Kfz- oder Radio- und Fernsehreparaturen. Stellt der Handwerker später fest, dass noch eine größere Reparatur erforderlich ist, muss er das Einverständnis des Kunden einholen. Es sei denn, der Kunde hat dem Handwerker schon vorher kundgetan, dass er alle nach seiner Meinung erforderlichen Reparaturenz. B. für eine TÜV Abnahme durchführen soll. Im anderen Fall kann der Kunde die Bezahlung nicht gewünschter Ersatzteile und Reparaturen verweigern. Gehen wir davon aus, dass die Arbeiten sauber und ordentlich ausgeführt wurden, so dass früher oder später die Rechnung folgen wird. Hin und wieder wird es passieren, dass es beim Rechnungsempfänger lange Gesichter gibt. Je nachdem, ob die Arbeiten lt. Kostenvoranschlag oder aufgrund der nachgewiesenen Stunden ausgeführt worden sind. Verschiedentlich herrschen auch falsche Vorstellungen über die Höhe der Stundenlohnverrechnungssätze. Auch kommt es vor, dass der Auftraggeber über die in Rechnung gestellten Stunden anderer Ansicht ist.

5. Muss die Anfahrt zum Kunden bezahlt werden?

Bei der Regelung der Fahrkosten handelt es sich um eine Preisnebenabrede, die möglichst vor Vertragsabschluß geklärt werden sollte. Fahrzeiten sind keine Arbeitszeiten, jedoch hat der Handwerksmeister das Recht, die durch die An- und Abfahrt entstehenden Kosten sich nach dem tatsächlichen Aufwand vergüten zu lassen. Der Einsatz des Lieferfahrzeuges kann in Form einer Pauschale oder nach den gefahrenen Kilometern berechnet werden. Es gibt auch Betriebe, die die Kosten des Fuhrparks in den Stundenlohnverrechnungssatz einbeziehen. Wird die in Rechnung gestellte reine Arbeitszeit beanstandet, sollte man sich mit den Handwerksmeistern offen darüber aussprechen, um zu erfahren, wie sich die verschiedenen Stunden zusammensetzen. Besser ist es immer, wenn der Kunde die vom Handwerker geleisteten Stunden auf dem Stundenzettel abzeichnet, um späteren Beanstandungen vorzubeugen. Das ist jedoch nur dann von Bedeutung, wenn im Betrieb keine erhebliche Vorfertigungszeiten hinzukommen. Was der Kunde jedoch nicht immer weiß und wissen kann, sind die Zeiten, die nötig sind, um das Werkzeug und das erforderliche Material vor Beginn der Montage und nach Beendigung der Arbeit an Ort und Stelle wieder einzuräumen. In vielen Handwerksbereichen entstehen, wie wir erwähnten, auch Vorfertigungszeiten in der Werkstatt für Leisten, Böden, Anschlüsse, Verbindungen usw., die für die auszuführende Reparatur notwendig sind.

6. Was tun, wenn Mängel auftreten?

Was tun, wenn Mängel auftreten, die die zugesicherten Eigenschaften aufheben oder die Tauglichkeit oder den Gebrauchswert eines Werkes mindern? Obwohl gute Leute sorgfältig arbeiten, kann überall mal etwas passieren. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sagt dazu im § 633, Abs. II: "ist ein Werk nicht von dieser Beschaffenheit, so kann der Besteller die Beseitigung des Mangels verlangen. Der Unternehmer ist berechtigt, die Beseitigung zu verweigern, wenn sie einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordert."

In der Praxis würde das bedeuten, dass Sie sich in einem Schadensfall oder wegen berechtigter Mängel sofort mit Ihrem Handwerksbetrieb in Verbindung setzen müssen. Für eine Handwerkerleistung, die erfolglos bleibt oder die nicht ausgeführt worden ist, braucht der Kunde nicht zu zahlen. Wir möchten das Mängelproblem noch an einem Beispiel erläutern: Nehmen wir einmal an, Ihr Fernseher ist kaputt und Sie rufen einen Fernsehdienst an, der auch bald jemanden vorbeischickt. Der erklärt Ihnen aber nach einer Weile ergebnislosen Arbeitens, dass der Schaden an Ort und Stelle nicht behoben werden kann. Prinzipiell müssen Sie für einen schlecht erbrachte Leistung auch nicht bezahlen. Jedoch ist die Fehlersuche, ähnlich wie bei Kfz-Reparaturen, auch eine erbrachte Leistung und: Das Gesetz verpflichtet Sie zur Mitwirkung, damit die Reparatur erfolgreich verläuft. Unter Mitwirkung kann im Einzelfall Ihre Zustimmung verstanden werden, den Fernseher in der Werkstatt des Handwerkers reparieren zu lassen. Stellt der Kunde fest, dass der Handwerker schlecht gearbeitet oder einen Teil des Auftrags gar nicht ausgeführt hat, so sollte er ihn unverzüglich und schriftlich auffordern, die Mängel innerhalb einer angemessenen Frist zu beseitigen.

7. Kann der Rechnungsbetrag gekürzt werden?

Sofern Aufforderungen gegenüber dem Auftraggeber nicht helfen, darf der Auftraggeber den Rechnungsbetrag um die Summe kürzen, die er einem anderen Handwerker für die Nachbesserung (Mängelbeseitigung) bezahlen müsste. Wie hoch dieser Betrag ist, kann der Laie vielfach nicht feststellen. Deshalb ist es zweckmäßig, in diesen Fällen bei der Handwerkskammer oder bei der Kreishandwerkerschaft anzurufen und sich die Telefonnummer des zuständigen Sachverständigen geben zu lassen. Dieser weiß in solchen Fällen zumeist Rat.

Kommt der Handwerker jedoch der Möglichkeit zur Nachbesserung, auf die er einen rechtlichen Anspruch hat, nach, so ist der einbehaltenen Betrag zu zahlen. Bei mehrmaliger erfolgloser Nachbesserung oder wenn der Handwerker erst gar nicht zur Beseitigung des Mangels erscheint, kann der Kunde nach angemessener Fristsetzung einen anderen Betrieb mit der Beseitigung des Mangels beauftragen. Die dadurch entstehenden Kosten kann er von dem ursprünglichen Rechnungsbetrag absetzen. Bevor man diesen Schritt jedoch wählt, ist es ratsam, zunächst eine gütliche Regelung zu suchen, eventuell bemüht sich auch die Handwerkskammer oder Kreishandwerkerschaft, als Vermittlungsstelle tätig zu werden.

8. Wie lang sind die Gewährleistungsfristen?

War die Herstellung oder Reparatur einer beweglichen Sache Gegenstand des Werkvertrages mit dem Handwerker, so haben Sie – ohne besondere Vereinbarung – 6 Monate lang Anspruch auf Gewährleistung, gerechnet vom Tag der Ablieferung an. Die Gewährleistungsfrist beträgt jedoch 1 Jahr, wenn es sich um Arbeiten an einem Grundstück (z. B. Einlegen von Dränage oder eines Abwasserkanals) handelt.

Bei Arbeiten an Bauwerken oder bei individuellem Einbau von Gegenständen in ein Haus sollte man die Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) dem Vertrag zugrunde legen. Die VOB enthält allgemeine Geschäftsbedingungen, die sowohl zur Verbraucherseite hin als auch für den Handwerker ausgewogene Vertragsbedingungen enthalten. Nach der VOB beträgt die Gewährleistungsfrist 2 Jahre. Überwiegend legen die Handwerksbetriebe ihren Aufträgen die Verdingungsordnung für Bauleistungen zugrunde. Sollte dies im Einzelfall nicht geschehen, so gelten die gesetzlichen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach die Gewährleistungsfrist bei Arbeiten an einem Bauwerk nach 5 Jahren abläuft.

Offensichtliche Mängel müssen schon bei Abnahme der handwerklichen Leistung geltend gemacht werden. Geschieht dies nicht, gibt es keinen Gewährleistungsanspruch, auch wenn die Frist noch nicht abgelaufen sein sollte. Bei versteckten Mängeln hingegen muss der Auftraggeber den Mangel unverzüglich und innerhalb der Gewährleistungsfrist dem Handwerker mitteilen, möglichst schriftlich.

9. Wer haftet bei Schwarzarbeit?

Grundsätzlich sollte man beachten, dass Schwarzarbeit immer ein risikoreicher und gefährlicher Ausweg ist. Angesichts der steigenden Kosten in allen Lebensbereichen – also auch bei den handwerklichen Dienstleistungen – glauben viele Verbraucher, es sei günstiger, einen Auftrag nicht an einen zugelassenen Handwerksbetrieb zu erteilen, sondern einen Schwarzarbeiter zu beschäftigen. Nach dem "Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung (Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz – SchwarzArbG)" in Kraft getreten am 1. August 2004 (Art. 1 des Gesetzes vom 23. Juli 2004, BGBl. I S. 1842) droht jedermann eine Geldbuße bis zu 500.000 €, wenn er sich Vorteile in erheblichem Umfang durch Schwarzarbeit verschafft. Eines ist auch in der Rechtsprechung mehrmals eindeutig klargestellt worden: Für Schäden oder Mängel können Schwarzarbeiter grundsätzlich nicht haftbar gemacht werden. Da der Vertrag wegen Gesetzesverstoßes nichtig ist, stehen dem Verbraucher keinerlei Gewährleistungsansprüche zur Verfügung. Bricht z. B. ein Balkon ab oder stürzt eine Decke ein, dann ist der Kunde selbst der Dumme. Oder wer mit einem schwarz reparierten Auto wegen eines technischen Defekts einen Unfall erleidet, muss sämtliche Kosten selbst tragen. Die Versicherung braucht dann ebenfalls nicht zu zahlen.

Erleidet aber andererseits ein Schwarzarbeiter einen Arbeitsunfall, so ist der Kunde allein verpflichtet, für die Arzt- und Krankenhauskosten aufzukommen. Wir möchten aber auch darauf hinweisen, dass auch der Auftraggeber ordnungswidrig handelt, wenn er sich wirtschaftliche Vorteile in erheblichem Umfang dadurch verschafft, dass er eine oder mehrere Personen (als Schwarzarbeiter) mit der Ausführung von Dienst- oder Werkleistungen beauftragt. Auch hier sieht das Gesetz Geldbußen bis zu 500.000 € vor.

Sollten Sie einmal Schwierigkeiten haben, einen Handwerksbetrieb zu finden, der eine Arbeit auch zu einem bestimmten Termin beginnen und fertig stellen kann, so wenden Sie sich bitte an die Kreishandwerkerschaft.

10. Wo kann sich der Kunde beschweren?

Wenn zwei sich streiten, ist es immer gut, die Sache von objektiver Seite betrachten zu lassen. Es gibt viele Fälle im Verbraucheralltag, in denen Sie keine Rechtsberatung brauchen, sondern vielmehr eine Beschwerde erheben und geklärt haben wollen. Für solche Meinungsverschiedenheiten zwischen Auftraggeber und Handwerksbetrieben stehen Ihnen die Innungen, Kreishandwerkerschaften und Handwerkskammern als Vermittlungsstellen offen. Allerdings können sich diese Stellen nur dann vermittelnd einschalten, wenn die Betriebe in der Handwerksrolle eingetragen bzw. Innungsbetriebe sind.

Eine ausgesprochen berufsbezogene Schlichtungsstelle gibt es im Kfz-Handwerk. Diese Schiedsstelle behandelt nur Fälle autorisierter Kfz-Werkstätten, die Mitglied der Kfz-Innung sind. Sie erkennen diese Betriebe am Innungszeichen. Das Einschalten dieser Schiedsstelle ist für den Kunden kostenlos. Die Anschrift können Sie über die Kreishandwerkerschaft erfahren.

11. Was muss ich zum Thema Zahlung wissen?

Wenn es sich um größere Arbeiten handelt, sind, sofern die VOB (Verdingungsordnung für Bauleistungen) vereinbart war, je nach Baufortschritt die angeforderten Abschlagszahlungen binnen 18 Werktagen nach Zugang der Aufstellung zu leisten. Die Schlusszahlung ist laut VOB alsbald nach Prüfung der vorgelegten Schlussrechnung, spätestens innerhalb von 2 Monaten nach Zugang zu leisten, anderenfalls hat der Handwerker Anspruch auf Zinsen in Höhe von 1 Prozent über dem jeweiligen Lombardsatz der Deutschen Bundesbank. Bei Nachweis eines höheren Verzugsschadens kann auch ein höherer Zinssatz gefordert werden. Und das mit Recht, oder glauben die säumigen Auftraggeber tatsächlich, dass die Mitarbeiter des Handwerksbetriebes, die Lieferanten, Sozialkassen und so weiter mit ihren Forderungen so lange warten, bis der Bauherr und Auftraggeber irgendwann einmal zahlt?

Wenn eine Leistung funktionieren soll, muss auch die Zahlung funktionieren. Der Handwerker ist kein Bankier und muss für jeden Euro, um den er sein Konto überzieht, zur Zeit ca. 12 Prozent Sollzinsen bezahlen. Das ist mehr, als man üblicherweise als Gewinn erhofft (5 bis 10 Prozent). Wenn ein Betrieb mehrere solcher säumigen Kunden hat, die bewusst das Zahlungsziel verlängern, kann er sich bald ausrechnen, wann er bei solchen Zinssätzen nicht mehr zahlungsfähig ist. Daher die Bitte: Helfen Sie Ihrem Handwerker durch pünktliche Zahlung ohne viel Wenn und Aber, seinen Betrieb möglichst kostendeckend und nicht kostensteigernd weiterführen zu können. Es könnte durchaus sein, dass Sie eines Tages dringend auf die Dienstleistung angewiesen sind.

12. Kann ein Sachverständiger helfen?

Natürlich kann sich ein Auftraggeber bei strittigen oder mangelhaften Leistungen eines Sachverständigen bedienen. Nur muss man dabei berücksichtigen, dass ein Sachverständiger nicht umsonst tätig wird. Wenn sogar ein Gutachten erstellt werden muss, entstehen zusätzliche Zeit- und Sachkosten.

Im besonderen wird ein Sachverständiger auch tätig, wenn bereits ein Prozess vor dem Amts- oder Landgericht anhängig ist. In diesem Fall wenden sich bei Bedarf die Gerichte an die zuständige Handwerkskammer wegen der Benennung eines für das Handwerk zuständigen, öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Diese gibt es für die verschiedenen handwerklichen Sachbereiche. Sofern Arbeiten durch eine der Industrie zuzuordnende Firma ausgeführt und bemängelt werden, müsste sich der Auftraggeber wegen eines Sachverständigen an die Industrie- und Handelskammer wenden.Die Sachverständigen müssen Unabhängigkeit und Unparteilichkeit bei der Erstattung von Gutachten gegenüber den Kammern unter Beweis gestellt haben. Wer sich möglichst in Übereinstimmung mit dem Auftragnehmer eines Sachverständigen bedienen möchte, kann sich an die Handwerkskammer oder Kreishandwerkerschaft wenden. Dort erhält man die Anschriften der in Frage kommenden Sachverständigen kostenlos. Termin und Honorar sollte man im Einzelfall möglichst vereinbaren.

Probleme und Meinungsverschiedenheiten treten insbesondere auf durch. A) wesentliche Überschreitung des Kostenvoranschlages; b) durch berechtigte oder aber auch zu Unrecht gerügte Mängel, c) vom Auftraggeber angezweifelte Stunden bzw. zu hohe Diskrepanzen in dem Leistungs-Lohnverhältnis. Zumeist lassen sich viele Missverständnisse durch Vermitteln und Anhören klären. Der Sachverständige sollte erst dann eingeschaltet werden, wenn man gar nicht weiterkommt. Prozessieren sollte immer der letzte Ausweg sein. Je nach strittigem Rechnungsbetrag können erhebliche Kosten entstehen, und niemand kann mit Sicherheit vorher sagen, ob man den Prozess auch wirklich gewinnt.

13. Verdient ein Handwerker wirklich zuviel?

Wenn dem so wäre, müsste die Gegenfrage lauten: Warum verschwinden dann in jedem Jahr eine Vielzahl kleiner und kleinster Handwerksbetriebe von der Bildfläche? Natürlich gibt es auch mal Missverständnisse und Verärgerung, wenn ein Kunde die Rechnung über die ausgeführte Leistung erhält und die dort aufgeführten Stundenlohnverrechnungssätze sieht.

"Das darf doch nicht wahr sein, der Geselle bekommt einen Stundenlohn von 10 Euro, und mir werden 30 Euro pro Gesellenstunde in Rechnung gestellt." Genau so oder ähnlich könnte der Monolog des Kunden lauten. Leider gehen Kunden oft fälschlicherweise vom Stundenverdienst eines Gesellen im Handwerk aus und ziehen diesen als Basis für die eigenen Preisvorstellungen heran. Die Differenz zum Stundenlohnverrechnungssatz wird dann als "Gewinnspanne" des Unternehmens angesehen. Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Bei dieser Betrachtungsweise wird völlig außer acht gelassen, dass ein Handwerksbetrieb in aller Regel über ein Mindestmaß an hochwertigen und teuren Maschinen verfügen muss. Darüber hinaus müssen noch eine Menge außerbetrieblicher Kosten gedeckt werden. Dazu gehören insbesondere die Lohnneben- und die sonstigen Gemeinkosten.

14. Wer soll den Auftrag erhalten?

Dazu möchten wir bemerken, dass nicht jedes Inserat, das "erstklassige Arbeit" anbietet, auch tatsächlich saubere, ordentliche und genaue Arbeit gewährleistet. Es soll auch Handwerker geben, die alles können wollen, vom Tapezieren über das Fliesenlegen, über Dachreparaturen bis hin zum Elektro- oder Sanitärbereich. Bei solchen Anzeigen und Angeboten sollte man sehr wachsam sein. Besonders bei Anzeigen, in denen nur eine Telefonnummer angegeben ist und man nicht weiß, wer dahinter steht. In der täglichen Praxis müssen wir die Erfahrung machen, dass mancher Auftraggeber immer wieder auf derartige Anbieter hereinfällt, die Arbeiten übernehmen, die sie gar nicht ausführen dürfen.

Unsachgemäße Arbeiten können den Kunden jedoch teuer zu stehen kommen. Im Zweifelsfall sollte man bei der Kreishandwerkerschaft oder bei der zuständigen Handwerkskammer nachfragen, ob der betreffende Betrieb als Meisterbetrieb in der Handwerksrolle eingetragen ist. Handelt es sich um umfangreiche, größere Arbeiten, sollte man sich einen oder mehrere Kostenvoranschläge einholen. Berücksichtigen Sie bitte, dass der Billigste nicht immer der Beste ist. Die vorangegangene Beratung, die Sauberkeit der ausgeführten Arbeit, die Terminzuverlässigkeit und die weitere Betreuung werden unterschiedlich sein. Jeder Auftraggeber sollte sich ein Kostenangebot genau durchlesen und rückfragen, sofern er etwas nicht versteht oder Zweifel an Aufmassen oder Stückzahl hat. Bei Aufträgen im Bau- oder Baunebengewerbe, deren Ausführung sich über längere Zeiträume erstreckt, wird der Handwerksbetrieb, der das Angebot abgibt, sich eine sogenannte Lohn- und Materialgleitklausel vorbehalten müssen. Innerhalb der Ausführungsfrist können Lohntariferhöhungen stattfinden, deren Auswirkungen bei der Angebotsabgabe noch nicht übersehbar waren.

Wir möchten auch deutlich machen, dass es Arbeiten gibt, für die man keinen Kostenvoranschlag erstellen kann, z. B. bei Abbruch-, Renovierungs- oder Reparaturarbeiten in Altbauten. Hier muss die Abrechnung aufgrund der geleisteten Stunden und nach dem verbrauchten Material erfolgen. Zumeist werden hierbei Stundenzettel geführt, die der Auftraggeber gegenzeichnen muss.

15. Wie verbindlich sind Kostenvoranschläge?

Wenn z. B. der Meister zwischen Tür und Angel dem Kunden sagt: "Na ja, ganz grob über den Daumen geschätzt, kann das ... Euro kosten", so kann man den Meister wohl kaum auf den genannten Betrag festlegen. Auch das Gesetz geht davon aus, dass der Kostenvoranschlag lediglich eine unverbindliche Berechnung der voraussichtlichen Kosten ist. Allerdings können beide Parteien vereinbaren, dass der schriftliche Kostenvoranschlag verbindlich sein soll. Ist das geschehen, darf der Handwerksbetrieb nur die veranschlagte Summe berechnen, selbst wenn seine Kosten in der Zwischenzeit gestiegen sind.

16. Darf der Kostenvoranschlag etwas kosten?

Für ein einfaches Kostenangebot wird üblicherweise keine besondere Vergütung verlangt. Es kann aber auch sein, dass besondere Berechnungen, Zeichnungen usw. für die Projektierung erforderlich werden. Derartige zusätzliche Arbeiten wird der Anbieter nur dann kostenlos belassen, wenn er auch den Auftrag erhält. Auch im Dienstleistungsbereich, z. B. in Auto-Reparaturwerkstätten, in Radio- und Fernsehbetrieben kann es durchaus sein, dass man für den erforderlichen Zeitaufwand der Kostenschätzung eine Gebühr verlangt, sofern der Auftrag nicht erteilt wird. Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass nur dann eine Gebühr für einen Kostenvoranschlag verlangt werden kann, wenn dies vorher ausdrücklich vereinbart wurde.

17. Was bedeutet die Abkürzung VOB?

In Kostenvoranschlägen die Sie von Bau- und Baunebenbetrieben erhalten, werden Sie zumeist folgende Vorschläge finden: "Vertragsgrundlage ist die VOB, Teil B, ferner Teil C in der neuesten Fassung. Bei Bedarf kann die VOB in unseren Geschäftsräumen eingesehen werden. Auf Wunsch wird sie auch zur Einsichtnahme übersandt." Was ist mit dem Begriff "VOB" gemeint? Es handelt sich dabei um die "Verdingungsordnung für Bauleistungen", die von öffentlichen Auftraggebern grundsätzlich mit dem Auftragnehmer vereinbart werden muss. Sie stellt besondere Vertragsbedingungen zwischen Auftraggeber und dem Auftragnehmer dar. Die VOB sollte auch zwischen privaten Auftraggebern und Unternehmen angewendet werden. Der Auftraggeber erspart sich damit eine Vielzahl einzelner Vereinbarungen wie z. B. Ausführung, Vergütung, Abnahme des Werkes, Gewährleistung, Abrechnung usw. Bei Teil C handelt es sich um genaue technische Vorschriften über die im Einzelfall zu erbringenden Bauleistungen (Maurerarbeiten, Fliesen- und Anstricharbeiten, Klempner-, Tischlerarbeiten usw.). Soviel zur VOB und deren Anwendung.

18. Was muss ich sonst noch beachten?
Stimmen Sie vor Beginn der Arbeiten alle Termine mit den Firmen ab, es sei denn, ein Architekt nimmt Ihnen die Arbeit ab. Lassen Sie den Firmen genügend Spielraum. Am besten ist es, wenn der Auftragnehmer selbst den Termin festlegt und Sie diesen dann als festen Termin vereinbaren. Eine kleine Toleranz sollte trotzdem gegeben sein, zumal es für einen kleinen Handwerksbetrieb manchmal durch plötzlichen Ausfall von Mitarbeitern und/oder Witterungseinflüssen nicht möglich ist, einen Termin auf den Tag genau einzuhalten. Vergeben Sie vor allem Ihre Aufträge rechtzeitig. Ein guter Betrieb kann nicht von heute auf morgen disponieren. Wunder werden nur in dringenden Fällen bewerkstelligt.

Kreishandwerkerschaft Wernigerode • Tel. 0 39 43 - 9 20 90